
Ein Sabbat, was ist das?
Im Judentum ist es der wöchentliche Feiertag, der Samstag – so wie im Christentum der Sonntag. Ein besonderer Tag, eine Unterbrechung. Ein Tag, an dem man es mal lassen kann, für anderes Zeit hat. Zum Feiern, zum Staunen, zum Ausruhen, zum Sein. Der Ausdruck «Sabbatical» ist vertrauter. Darin steckt dasselbe Wort, und gemeint ist damit eine Auszeit. Eine Zeit, in der man sich beispielsweise neu orientieren, eine Arbeit schreiben, sich weiterbilden oder mal etwas anderes machen kann.
Die Kirchgemeinde plant also eine Auszeit? Nein und ja. Nein: Wir sind noch da, wir nehmen das Telefon ab, halten den Verwaltungsbetrieb aufrecht, das Sekretariat ist besetzt. Die Kirchenpflege tagt, der Reli und die Gottesdienste finden statt. Taufen und Beerdigungen werden abgehalten. Und Ja: Abgesehen davon versuchen wir im Pfarramt, soweit sinnvoll und möglich den «Normalbetrieb», unsere Aktivitäten zu unterbrechen. Wir wollen innehalten, horchen, uns neu orientieren. Darum das grosse Ohr. Nicht so viel predigen, allgemein weniger senden – aber gut hinhören. Menschen treffen, die nicht in die Kirche kommen. Aus den Kirchen rausgehen, auf die Strasse, ins Freie. Sie werden uns mit dem Chilevelo antreffen.
Weil die Kirche im Umbruch steht und grosse Veränderungen erlebt. Wie gestalten wir das? Wohin geht es? Was bewegt die Menschen, was für eine Kirche braucht es für sie in Zukunft? Was wird hörbar, spürbar? Es ist ein Experiment. Ein Zehn-Wochen-Sabbatical, in dem wir das Grundrauschen reduzieren wollen, um besser hinhören zu können.
Wir sind gespannt – und ganz Ohr.
Regula Blindenbacher und Martin Kuse, Reformiertes Pfarramt
P.S. Schreiben Sie uns, was Sie bewegt, was unser Ohr erreichen soll! Benutzen Sie dazu die Kommentarfunktion:
